Göttliches Feuer

Die meisten Religionen – frühere wie heutige – nutzen das Feuer als wichtiges Symbol. Oft sind es ausgewählte Götter, die über das Feuer gebieten, die es konstruktiv oder (in seltenen Fällen) destruktiv gebrauchen. Das beginnt schon in vor der Antike.

Ägypten: Chensit und Tefnut

Das antike Ägypten kannte mit Chensit und Tefnut gleich zwei Feuergottheiten. Vor rund 4500 Jahren wurde die Göttin Chensit verehrt. Sie galt als Gefährtin des altägyptischen Gottes Sopdu, erlangte aber vermutlich nur regionale Bedeutung.

Populärer und wichtiger war dagegen Tefnut. Die Ägypter des so genannten Alten Reiches sahen in ihr eine der neun Schöpfergottheiten. Sie erscheint auf Bildnissen oft als Löwin, die eine Sonnenscheibe auf dem Kopf trägt.

Mesopotamien: Nusku, Girra und Gibil

Fremd und unergründlich erscheinen uns die sumerischen Götter, die etwa zeitgleich zur altägyptischen Kultur in Mesopotamien verehrt wurden. Die Sumerer kannten einen vielköpfigen Götterhimmel in dem mit Nusku und Gibil gleich zwei Feuergötter erschienen. Die später lebenden Babylonier nannten Gibil in ihrer Religion Girra und beschworen seine Macht in exorzistischen Ritualen.

Griechenland: Hephaistos

Der griechische Feuer- und Schmiedegott Hephaistos vereint gegensätzliche Eigenschaften. Der Gott selbst ist hässlich, dick und hinkt. Aber die Kunstwerke, die er in seiner Vulkan-Schmiede auf der griechisches Insel Lemnos anfertigt, sind von überwältigender Schönheit.

Hephaistos galt bei den Griechen als verstoßener Sohn der Göttin Hera. Hera (nach einer anderen Version Zeus) schleuderte Hephaistos vom Himmel auf die Erde. Bei Aufprall verletzte er sich die Beine, überlebte aber und wurde von zwei Nymphen großgezogen. Nachdem sich Hephaistos bei seiner Mutter gerächt hatte, schmiedete er den anderen Göttern wundervolle Paläste und heiratete die schöne Liebesgöttin Aphrodite. Die römische Mythologe übernahm diese Geschichten und nannte ihren Feuergott Vulkan.

Alles über den „Feuerbringer“ Prometheus hier.

Römisches Reich: Vesta

Mehr noch als der Gott Vulkan spielt die Göttin Vesta eine entscheidende Rolle in der römischen Alltagskultur. Vesta war einerseits die Göttin des heimischen Herdfeuers und anderseits die Bewahrerin des heiligen Feuers. Auf dem Forum Romanum, also im Herzen der Stadt Rom, stand der Vestatempel, in dem sechs jungfräuliche Priesterinnen, die Vestalinnen, ihren Dienst versahen. Dies verdeutlicht die außerordentliche Rolle des Vestakultes in der römischen Antike. In der griechischen Mythologie bestand mit „Hestia“ eine ähnliche Göttin.

Hinduismus: Agni

Den Höhepunkt seiner Verehrung erreichte der Feuergott Agni in der Vedischen Religion (etwa ab 1500 v Chr.). Agni stand für das Feuer in jeder Form – vom profanen Herdfeuer über das Opferfeuer bis hin zu Manifestationen als Blitz und Sonne. In veränderter Form ist Agni noch immer in der hinduistischen Religion bedeutsam, zum Beispiel bei Reinigungszeremonien, Feueropfern oder Totenverbrennungen. Bei einer traditionellen hinduistischen Hochzeit umkreist das künftige Paar sieben Mal ein Feuer.

Wikinger: Loki

Überhaupt keine positive Gestalt war der nordische Luft- und Feuergott Loki. Er wird in der Überlieferung als tückisch und verschlagen dargestellt. Loki, der Sohn eines Riesen, konnte seine Gestalt verwandeln und somit die anderen Götter betrügen. Nachdem Loki den Gott Balder ermorden ließ, bekam er die grausame Rache der anderen „Asen“ (dem Göttergeschlecht der Wikinger) zu spüren und zahlte seine Vergehen am Ende mit dem eigenen Leben.

Christentum und Judentum

Auch in der Bibel, im Alten wie im Neuen Testament, ist das Feuer ein machtvolles Symbol, das auf den christlichen bzw. jüdischen Gott verweist. So erscheint Gott selbst dem Moses in Gestalt eines brennenden Dornbusches. In der Apokalypse, wie die Offenbarung des Johannes sie beschreibt, stürzt zerstörerisches Feuer in verschiedener Form auf die Erde.

Das wohl bekannteste christliche Feuer-Szenario ist die Hölle. An jenem grausigen Ort sollen schwere Sünder in ewiger Verdammnis schmoren. Generationen von Kirchenmännern, Literaten und Künstlern wurden nicht müde, diese feurige Höllenvorstellung immer weiter auszugestalten.

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