Der Feuerbringer Prometheus

Wie erlangten die Menschen das Feuer? Während die modernen Wissenschaften von Blitzschlägen ausgehen, die sich der Urmensch zunutze machte, hatten die Schriftsteller der griechischen Antike eine ganz eigene Theorie: Der Riese Prometheus sollte das Feuer auf die Erde gebracht haben. Wie kaum eine andere griechische Sage inspirierte der Prometheus-Mythos die Dichter und Denker des christlichen Abendlandes.

Prometheus-Statue in New York - © Reto Fetz (swisscan)  / pixelio.de

Prometheus-Statue in New York – © Reto Fetz (swisscan) / pixelio.de

Wer war Prometheus?

Der Riese galt als Sohn des Titanen Iapetos. Wer seine Mutter war, darüber sind sich die antiken Quellen nicht ganz einig. Der Dichter Hesiod nennt die Okeanide Klymene.

Prometheus galt als Schöpfer und wichtiger Fürsprecher der Menschheit. Nachdem er die Menschen aus Ton geformt hatte, stattete er sie mit allerlei Fähigkeiten aus, die er von den Tieren nahm. Zuletzt gab ihnen die Göttin Athene sogar den Verstand. Nur das Feuer fehlte den Menschen noch.

Prometheus‘ Betrug

Als die Menschen den unsterblichen Göttern des Olymps ein Tieropfer bringen sollten, hinterging Prometheus diese Götter, sodass sie nur die Knochen statt des guten Fleisches bekamen. Zur Strafe entschied Zeus, dass die Menschen nun kein Feuer erhalten sollten. Aber erneut setzte sich Prometheus für die von ihm geschaffenen Wesen ein: Er hielt den Stängel eines Riesenfenchels an den brennenden Sonnenwagen des Gottes Helios und stahl so das Feuer.

Das literarische Detail des Riesenfenchels mag den heutigen Leser irritieren – aber die Griechen nutzen diese Pflanzen tatsächlich, um Feuer zu machen und zu transportieren. Der Riesenfenchel hat (entfernt vergleichbar mit dem Zunderpilz) ein leicht brennbares Stängelmark, das aber von einer weitgehend feuerresistenten Rinde geschützt ist.

Zeus‘ Rache

Legendär und weltberühmt ist Zeus‘ zweigeteilte Rache. Den Menschen schickte der „Göttervater“ die sprichwörtliche Büchse der Pandora: Als die Büchse unvorsichtigerweise geöffnet wurde, kamen diverse Übel über die Menschheit, zum Beispiel schwere Krankheiten und Tod.

Prometheus selbst wurde an einen Felsen im Kaukasus-Gebirge gekettet. Dort musste er Tausende von Jahren erdulden, wie täglich ein Adler ein Stück seiner Leber auffraß, die aber gleich wieder nachwuchs. Erst der griechische Held Herakles befreite den endlos Leidenden schließlich. Zum sichtbaren Zeichen seiner Bestrafung musste Prometheus seither einen Ring tragen, an den weiterhin ein Felsstück aus dem Kaukasus geschmiedet war.

Die Menschen aber durften das gestohlene Feuer behalten.

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